Bis ich 27 Jahre alt war, habe ich Fleisch gegessen, ohne groß darüber nachzudenken. Ich bin in einem typisch österreichischen Haushalt aufgewachsen: In den 90ern gab es ein paar Mal die Woche Fleisch, später wurde es gefühlt immer mehr. Zwar hat meine Mama immer schon viel Wert auf Vielfalt und vegetarische Optionen gelegt (und ist Anfang der 2000er selbst Vegetarierin geworden), aber meine Schwester und ich blieben Fleischesser.
Bis zu dem Wendepunkt im Jahr 2018.
Wie ich schon in anderen Videos erzählt habe, wurde ich 2016 von schwerer Gesundheitsangst und den Folgen eines Unfalls eingeholt. Dazu kam Reizdarm (IBS) – ein ständiger Kreislauf aus Stress, Angst und körperlichen Beschwerden. Nach vielen Arztbesuchen und der Erkenntnis, dass ich organisch gesund war, wusste ich: Ich musste an meiner Ernährung schrauben.
Weniger Koffein, kaum Alkohol und vor allem: leichter verdauliche Lebensmittel.
Im Jahr vor meinem vollständigen Umstieg aßen wir ohnehin schon kaum noch Fleisch (vielleicht einmal im Monat) und hatten Milchprodukte weitgehend reduziert. Und jedes Mal, wenn wir doch Fleisch aßen, fühlte ich mich danach körperlich miserabel – schwer, aufgebläht, verstopft. Im Mai 2018 habe ich dann den Entschluss gefasst: Ganz oder gar nicht.
Es dauerte ein paar Monate, bis sich mein Körper und Verdauungssystem an die neue, rein pflanzliche Ernährung angepasst hatten. Aber danach? Es war eine absolute Offenbarung. Meine jährlichen Blutbilder zeigten drastische Verbesserungen, ich fühlte mich nach dem Essen nicht mehr lethargisch, und meine Magenprobleme verbesserten sich massiv.
Wenn man den Rechnern im Netz glauben darf, habe ich in den letzten 8 Jahren und 3 Monaten über 3.100 Tierleben und Millionen Liter Wasser eingespart. Auch wenn solche Zahlen Schätzwerte sind, motivieren sie.
Am Anfang stand die Gesundheit. Doch je länger man sich vegan ernährt, desto mehr verändert sich der Blickwinkel. Man fängt an, hinter die Kulissen der Fleisch- und Milchindustrie zu blicken.
Man realisiert, wie stark uns schon in Kindertagen durch Marketing und sogar Bilderbücher vermittelt wird, welche Tiere wir lieben (Haustiere) und welche wir essen (Nutztiere). Aber am Ende ist jedes Tier ein fühlendes Wesen, das Schmerz, Angst und Freude empfindet. Für mich gab es nach diesen Erkenntnissen keinen Weg zurück. Es wurde eine Entscheidung aus Empathie.
Veganismus ist mehr als nur Essen – es ist ein Lebensstil, bei dem man tierische Produkte, Kosmetika mit Tierversuchen oder Leder im Alltag weglässt, wo immer es gute Alternativen gibt. Und die gibt es heute fast immer.
Ich möchte hier niemanden belehren. Jeder muss seinen eigenen Weg gehen. Aber wenn man sich überlegt, wie stark die Fleischproduktion den Klimawandel antreibt (Stichwort Methan und CO₂), ist es für mich die logischste Konsequenz, zumindest den Konsum drastisch zu hinterfragen. Schon die Reduzierung auf ein paar Tage die Woche macht einen massiven Unterschied.
Ich bin dankbar für diesen Schritt, auch wenn ich manchmal bereue, ihn nicht schon früher gegangen zu sein.
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